Montag, 7. Februar 2011

Schal 3 - Schaf mit Randeffekt

Ich war ja nicht eben glücklich darüber gewesen, dass meine Mutter mit dem Kunstfaserzeug aus dem Handarbeitsgeschäft zurück gekommen war. Wir hatten daraufhin vereinbart, dass ich noch einen zweiten Schal für sie fertigen würde. Diesmal sollte er gestrickt sein und ich wollte versuchen ein Naturfasergarn für sie zu finden. Also machte ich mich meinerseits auf zu einer Expedition ins Handarbeitsgeschäft :-)
Zwar habe ich den Handarbeitsvirus, weil es in den Läden aber praktisch nichts gibt, was man für das Mittelalter gebrauchen kann, habe auch ich so einen Laden seit langer Zeit nicht gesehen, schließlich habe ich mich ja 16 Jahre lang auf historische Handarbeiten beschränkt.
Der Besuch war einigermaßen ernüchternd. Garne ohne Poly-irgendwas Beimischung waren kaum zu finden. Das Ökogarn kam aus Peru und war für meine Mutter sicher nicht weich genug, das von ihr geschätzte Alpaka nicht in schwarz vorrätig.
Schließlich entschied ich mich schweren Herzens für ein "Soft Merino" von Wolle Rödel ohne Herkunftsangabe, aber sicherlich aus Neu Seeland stammend. 100 % Merinowolle, aber superwash konditioniert, 100 m/50 g. Ich war (und bin) immer noch erstaunt, wie sich diese Wolle anfühlt, ich glaube ich hätte sie kaum als solches erkannt. Das Garn ist ganz merkwürdig dick und aufgeflauscht. Man kann es zusammendrücken und dann springt es wieder zurück auf die ursprüngliche Dicke. Mit der handgesponnenen Wolle, die ich bisher kannte, hat das nicht mehr viel zu tun.
Beim Stricken habe ich fünf oder sechs Anläufe gemacht, bis ich ein Muster gefunden habe, dass meinen Geschmack getroffen hat, nämlich unterschiedlich große Blöcke aus rechten und linken Maschen. Diesmal habe ich auch an die Randmaschen gedacht :-) und in Nadelstärke 4,5 gearbeitet. Ich bin fasziniert von der dreidimensionalen Struktur, die sich durch den einfachen Wechsel von rechten und linken Maschen ergeben hat. Diese Ebenen, Kanten und der Schattenwurf - das hat schon fast etwas architektonisches! Und dazu das schlichte Schwarz, das hätte vermutlich sogar meinem Mann gefallen.
Für meine Mutter fehlte so aber noch der letzte Kick. Sie hat schon ganz gern Effekte, echte Hingucker und ein Farbtupfer darf auch dabei sein. Also sind wir nochmal gemeinsam zu einem Handarbeitsgeschäft gefahren, haben den Schal mitgenommen und ein Garn für den Rand ausgewählt, denn den wollte ich noch farbig umhäkeln. Natürlich landete sie schnell wieder bei den Poly-Tierchen-Effekt-Garnen. Die Wahl fiel auf Schachenmayr Nordica in einem sehr kräftigen dunkelpink. Damit in festen Maschen noch den Rand eingefasst, Fransen eingeknotet und fertig ist der Schal. Da er wie gewünscht ziemlich breit gearbeitet ist, nutzt ihn meine Mutter zur Zeit am liebsten abends auf der Couch als Nacken, aber auch Schulterwärmer anstelle einer Strickjacke.


Mein Fazit: Es ist gar nicht so einfach Kleidung für andere Menschen zu machen, die den eigenen Anforderungen entspricht. Und inzwischen weißich auch, dass es bei Handarbeitsgeschäften und ihrer Auswahl riesiege Unterschiede gibt...


Kommentare:

  1. Da ich auch kein gut sortiertes Wollgeschäft hier am Land habe, bestelle ich manchmal Wolle online - letztens habe ich eine sehr schöne (und günstige) Tiroler Bergwolle bei Buttinette gekauft, bei Wollknoll gibt's auch allerhand, und Du kannst Dir vorher Probekarten schicken lassen.

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  2. ich finde bei drops gute wollgarne alles reine qualität oder beimischung. gruß wiebke

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