Freitag, 5. November 2010

Abschied

Eigentlich gibt es über einige neue textile Arbeiten zu berichten. Aber das hat noch ein bisschen Zeit. Heute will ich nur einen Post eintragen, der meinen Großeltern gewidmet ist.
Am Montagabend ist meine Großmutter gestorben, die letzte von meinen Großeltern. Das ist okay, sie war seit mehreren Jahren schwer krank und ihre Zeit war gekommen. Sie kam nicht mehr ins Krankenhaus, sondern starb im selbst erbauten Haus mit ihren Söhnen und viel Familie an ihrer Seite.
Ich hab sie immer "Omi" genannt, weil sie so klein war. Zuletzt war ihr Körper noch weiter geschrumpft und wie verschrumpelt und ausgetrocknet. Es wirkte, als wollte sie keinen überflüssigen körperlichen Ballast mit ins Jenseits nehmen, als ob sie versuchte am Ende nur noch eine körperlose Seele zu sein. Ich glaube viel mehr als 30 kg kann sie nicht mehr gewogen haben.

Ich möchte meine Omi hier erwähnen, weil sie den Grundstein gelegt hat, dass es diesen Blog in seiner Form heute überhaupt gibt. Meine Omi hat bis in ein relativ hohes Alter alle ihre Kleidung selbst genäht. Zunächst war das eine finanzielle Notwendigkeit. Später blieb es nötig, weil sie so klein war und es wenig in ihrer Größe gab außer Kinderkleidung, da war aber die Oberweite nicht vorgesehen und die Kleidung passt ja vm Design auch nicht unbedingt zu jeder Gelegenheit...
Als Kind habe ich viel Zeit mit meinen Großeltern verbracht. Wir lebten im selben Haus. Meine Omi hat mir damals das Nähen mit der Hand und das Sticken beigebracht. Sticken und andere Handarbeiten habe ich allerdings auch mit meiner Oma gemacht, aber die habe ich leider nicht so oft gesehen, weil sie weiter weg wohnte.
Mit meiner Omi und dem Opa war ich oft in der Natur. Wir haben Brennnesselkraut und -wurzeln gesammeln für Tee und Schnaps. Bis Tschernobyl außerdem Pilze. Am Waldrand und am Mainufer sammelten wir jedes Jahr Brombeeren. Daraus machte meine Omi immer ein leckeres Gericht und die meisten wurden zu Gelee. Damit haben sie die Grundlage für meinen Beruf gelegt. Heute bin ich Botanikerin :-) Und mitunter gehe ich mit Menschen durch die Natur und erzähle ihnen, was man aus Wildpflanzen alles machen kann :-)

Omi, Opa und Oma (der zweite Opa ist leider schon vor meiner Geburt gestorben) war gemeinsam, dass sie die Kriegsjahre erlebt hatten. Sie alle konnten improviesieren, sie alle waren auf ihre Weise Künstler, die aus nichts etwas machen konnten mit großem Geschick und großer Geduld.

Ich danke Euch für all die Zeit, die Ihr mit mir verbracht, alles was Ihr für mich gemacht und alles was Ihr mir beigebracht habt!

Mit dem Foto vom Trauerschwan möchte ich heute Abschied nehmen von meinen Großeltern.

Kommentare:

  1. Einen Menschen lieben heißt für mich ihn gehen lassen wenn er nicht mehr bleiben kann.

    Es ist ein naturwissenschaftliches Gesetzt, dass Materie nicht verloren geht. Ich bin der Überzeugung, dass auch wir Menschen nicht einfach so "verschwinden" ich glaube auch wir wandeln uns. Es bleibt mehr zurück als wir denken. Meine Eltern sind schon sehr viele Jahre tod, aber dennoch sind sie täglich bei mir.

    So wird es auch mit deiner Omi sein.
    Sei umarmt
    Silvia

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  2. Es ist immer schlimm, einen geliebten Menschen gehen zu lassen...
    Die speziellen Lebenssituationen unserer Vorfahren so erfolgreich zu meistern, können wir nur bewundern,
    und uns freuen, soviel von dieser Generation gelernt zu haben ..
    Erhalte Dir die Erinnerung an Deine Omi - so wirst Du Deinen Verlust hoffentlich besser verarbeiten können.
    Ich sende Dir eine tröstende Umarmung.
    Alles Liebe
    ♥☼♥Barbara♥☼♥

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