Samstag, 15. Januar 2011

Schal 1 - nüchternes Steinschaf

In den letzten Wochen habe ich insgesamt drei Schals gearbeitet und zwar für zwei Personen, die mir sehr nahe stehen: meinen Mann und meine Mutter.
Der erste Schal war für meinen Mann. An diesem habe ich am längsten gearbeitet, denn ich habe auch die Wolle dafür selbst gesponnen. Der Schal ist genau für diese Person gearbeitet und obwohl er so schlicht aussieht, sind viele Details daran durchdacht.
Anders als bei der mittelalterlichen Kleidung, die farbenfroh und üppig verziert sein darf, kleidet sich mein Mann im Alltag stets schlicht. Er ist Architekt und sehr vom Bauhaus begeistert. Auch wenn er heute in einem anderen Berufsfeld tätig ist, Studium und Arbeit in diesem Bereich prägen, das wird man nicht mehr los. Ich habe es gerne verspielt, farbenfroh und voller Details. Mein Mann dagegen liebt schlichte, funktionale Kleidung und zwar fast ausnahmslos in schwarz. Die Leitbegriffe des Bauhaus sind übrigens: Funktionalität, Klarheit und Einfachheit. Da ist es nicht leicht mit meinen neuerworbenen Handarbeitsfähigkeiten zu landen, daher habe ich mich wirklich gefreut, als er sich einen Schal von mir wünschte.
Die Auswahl der Wolle war nicht leicht. Naturschwarze Wolle ist selten. Die meisten Wollen bleichen noch vor der Schur an den Spitzen aus. Ich hatte aber noch im Vlies kardierte Wolle vom Steinschaf-Lamm vorrätig. Eine schöne Filzwolle, die außerdem lichtecht sein soll. Ich setzte mich mit meinem kleinsten Spinnrad daran, um die Wolle für den Schal zu spinnen. Glatt, gleichmäßig und haltbar sollte das Garn werden. Ich habe es daher mit großer Drehung versponnen und zu einem festen, zweifädigen Zwirn verarbeitet. Das Garn ist aber sehr rau im Griff, mich lachte es eher für strapazierfähige Socken an, doch mein Mann war einverstanden damit, dass es zu seinem Schal weiter verarbeitet wurde.


Den Schal habe ich gehäkelt und zwar in Stäbchen. Keine verspielten Muster, einfach schlicht und möglichst gleichmäßig. Dabei relativ schmal und so lang, dass man ihn mittig gefaltet durch die Schlaufe gezogen tragen kann, so war der Wunsch. Ich habe mit einer Breite von 20 Maschen gearbeitet, einzig die erste und letzte Reihe haben ein zusätzliches Stäbchen, um ganz leicht ausgestellt zu sein.
Den leicht unruhigen Rand habe ich mit dem selben Garn im Überwendlichstich umstochen. Dadurch bekam er mehr Festigkeit und wurde gleichmäßiger und ruhiger.
An den Ecken, die Anfangs- und Endfäden integrierend, habe ich dünne Fransenbüschel angebracht, um auch die leicht ausgestellte Form zu betonen. Hier ergibt sich die Form, nämlich die Fransen, aus der Funktion, nämlich die Anfangs und Endfäden des Häkelns und der Umrandung zu sichern. Ein dickes Fransenende würde zu diesem nüchternen Schal natürlich überhaupt nicht passen. Da nun aber schon Fransen an den Ecken vorhanden waren, habe ich die Idee der Fransen nochmals aufgegriffen und in die Seitenmitten jeweils noch ein weiteres dünnes Faserbüschel eingehängt. Fransen auf ein Minimum reduziert, aber trotzdem da. Mir gefällt's :-)

Auch mein Mann hat den Schal an den kalten Wintertagen schon so manches Mal getragen und ich habe ihn mir auch schon ausgeliehen, um zu testen, ob die Wolle nicht doch zu rau ist. Aber obwohl sie wirklich rau im Griff ist, empfinde ich sie als Halswärmer ganz angenehm und gar nicht so kratzig, wie befürchtet.

Letzte Vorbereitungen - Blaudruck-Stuhlkissen neu gepolstert

Die Eltern sollten an Weihnachten natürlich auch bequem sitzen. Unsere Esszimemrstühle sind für sich genommen aber eher hart und unbequem. Ich hatte daher vor einigen Jahren passende Stuhlkissen dafür genäht. Die Stühle standen zu diesem Zeitpunkt in der Wohnküche und da meine Küche echte Delfter Fliesen hat, gefiel mir die Farbe blau sehr gut dazu.
Meine Eltern besuchten damals in Cottbus die Werkstatt der Blaudruckermeisterin Evelin Rühtz-Müller und brachten ein paar Kleinigkeiten mit. Ich bestellte bei ihr dann Stoff für Küchenvorhänge und Stuhlkissen.
Nun passen die Vorhänge leider nicht mehr, mal sehen, was ich mit dem Stoff mache. Die Stuhlkissen benutzen wir aber immer noch, auch wenn im Esszimmer eigentlich andere Farben dominieren.
Nach einigen Jahren Benutzung waren sie aber platt gesessen. So habe ich sie vor Weihnachten etwas aufgetrennt, neue Füllung hinein getan und wieder zu genäht. Hier zeige ich Euch mal so ein Kissen aus dem wunderschönen Blaudruckstoff. Es ist ein leichter Baumwollstoff. Auf der Unterseite habe ich einfarbigen hellen Baumwollstoff verwendet. Durch ein durchgehendes Band, das über die Lehne gezogen wird, bleiben die Stuhlkissen in Position. Allerdings reißt das manchmal aus. Ich weiß nicht, ob ich diese Konstruktion heute nochmal so machen würde. Wahrscheinlich würde ich heute eher Bindebänder verwenden.
Als Leinenfan habe ich übrigens aus der Blaudruckerei auch Tischsets auf grobem Leinen, bei denen dünne blaue Linien das Muster auf dem naturfarbigen Grund bilden. Ich liebe solche Stücke aus traditionellem Handwerk und hoffe, dass diese kleinen Betriebe nicht aussterben!

Letzte Vorbereitungen - Zugluftvorhang

Meinen Rückblick auf den letzten Monat möchte ich beginnen mit den letzten Weihnachtsvorbereitungen. Weihnachten ist bei uns ein sehr gemütliches Fest. Mein Mann und ich haben keine Geschwister und kleine Kinder sind auch noch nicht da. So beschränken sich solche Feste in der Regel auf uns und unsere Eltern. In diesem Jahr konnten meine Schwiegereltern kurzfristig nicht zu uns kommen, da ihr Auto kaputt gegangen war. Meine Eltern dagegen kamen aufgrund der Wettervorhersage schon einen Tag früher und das war auch ganz gut so.
Bevor sie kommen konnten, war natürlich viel im Haus zu räumen und zu putzen. Um für weitere Annehmlichkeiten zu sorgen, habe ich einen Zugluftvorhang für unser offenes Treppenhaus genäht. Denn im unteren Stockwerk heißen wir kaum, das Treppenhaus endet aber offen im Esszimmer, wo man an den Weihnachtsfeiertagen ja immer viele Stunden verbringt :-)
Zu den Erbstücken von meienr kürzlich verstorbenen Großmutter gehören sechs alte Vorhänge aus rotem Samt. Vier schmale, von kleineren Fenstern, und zwei breite vom großen Wohnzimmerfenster. Ich hatte die Vorhänge erstmal gewaschen, denn sie waren alle sehr staubig. Zum Glück hat unser Wohnzimmer eine Galerie, ich hätte sonst wirklich nicht gewusst, wo ich die riesigen Bahnen hätte trocknen sollen. Es sah für eine Weile aus wie im Theater.
Drei der schmalen Bahnen habe ich für die Zugluftvorhänge verwendet. Ich wollte, dass man auf beiden Seiten Samt sieht, daher sollten sie doppelt sein. Schließlich geht man in beide Richtungen durch das Treppenhaus. Zum Aufhängen kam nur eine Teleskopstange in Frage, da wir in vielen Räumen einen besonderen Putz haben, der es sehr schwierig macht normale Dübellöcher in die Wand zu bekommen. So eine Stange fanden wir beim Badezimmerzubehör. Ein paar Aufhänger von einem Duschvorhang fanden sich noch bei unseren Vorräten. Ich ließ aber das alte Raffband in den Gardinen, die breiten Aufhänger für Duschvorhänge ließen sich auch dort einfädeln.
Einen Vorhang faltete ich längs in der Mitte und nähte einfach die Kante von Hand mit Überwendlichstichen zu. Zwei Vorhänge nähte ich in der selben Weise aufeinander. Das ganze wurde dann unten noch ein bisschen auf die passende Länge gekürzt.
Der Durchgang befindet sich daher nicht in der Mitte, sondern teilt 1/3 zu 2/3. Aber so konnte ich die ganze Breite ausfüllen und musste möglichst wenig am Stoff schneiden.
Einen Haken hat die Sache allerdings. Der Überwendlichstich ließ sich an den dicken Kanten zwar am besten arbeiten, aber war wohl letztlich nicht der am besten geeignete Stich, denn er hat ja eine Schräge in sich. Die Bahnen haben sich beim Zusammennähen gegeneinander verschoben, so dass die Vorhänge jetzt unten etwas ausbeulen. Naja, kann ja nicht immer alles auf Anhieb perfekt sein... Für diesen Winter werden sie so bleiben, aber ich denke im Sommer nehme ich sie mir nochmal vor und nähe das neu.
Für die Weihnachtszeit zogen jedenfalls noch meine Pappmaché-Sterne um. Auf dem roten Samthintergrund sorgten sie für weihnachtliche Stimmung.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Hilfe für Chenille-Pullover gesucht...

...und noch ein paar private Worte.
Wie Ihr sicher schon gemerkt habt, blogge ich nicht so regelmäßig. Im November habe ich es gerade einmal zum Bloggen an den PC geschafft und dann gleich mehrere Beiträge geschrieben, und so ähnlich verhält es sich im Dezember, wo ich noch einiges an Dokumentation meiner November-Projekte "abzuarbeiten" hatte. Nun gibt's hier ziemlich viel zu lesen, aber die nächsten Tage wird nichts neues dazukommen, Ihr könnt Euch also Zeit lassen beim Lesen ;-) Zum einen werde ich die nächsten Tage nicht zu Hause sein (ich habe ja schon erwähnt, dass ich zwischen zwei Orten pendele) und daher wird keine Gelegenheit sein, weder zum Mitlesen noch zum Selberschreiben. Und für das nächste Wochenende habe ich mir beim Bauern in der Nachbarschaft eine Gans bestellt. Na, das wird noch ein Küchenabenteuer!
Zum anderen habe ich einige Projekte in Arbeit, die etwas langwieriger sind. Mit der Dokumentation der fertigen Stücke bin ich erstmal wieder auf dem aktuellen Stand, jetzt muss erstmal wieder was fertig werden. Und das geht diesmal nicht so schnell! Einige UFOs sind nämlich riesig, wie 7,5 m breite Gardinen für unser Wohnzimmer und Samtvorhänge zur Temperaturisolation für das Treppenhaus.
Und für andere Projekte will ich mir einfach mehr Zeit nehmen. Bei meinen mittelalterlichen Projekten hat es mich nie gekümmert, wie lange ein Stück braucht, bis es fertig ist, wie Ihr ja am Beispiel meines 1000-Stunden-Mantels erahnen könnt :-) oder das Kleid aus dem Schleierpost, an dem ich schon drei Winter gearbeitet habe und das noch nicht fertig ist... Bei den modernen Projekten, die mich in den letzten zweieinhalb Monaten beschäftigt hatten, konnte es mir aber gar nicht schnell genug gehen. Das hat viele Ursachen. Ich habe Häkeln gelernt und mir damit eine neue Technik angeeignet, mit der man Kleidungsstücke noch schneller fertigen kann als mit der mittelalterlichen Technik des Nadelbindens. Und ich habe mich an die Nähmschine getraut, die vieles schneller macht. Dazu habe ich diesen neuen Schritt in die modernen Handarbeiten längere Zeit geplant und im Kopf vorbereitet. Das war erstmal eine Explosion von Ideen, die mussten einfach raus als es endlich losgehen konnte :-) Skizzen zu geplanten Nähprojekten füllen mehrere Seiten im Notizblock.
Vor kurzem kaufte ich mir eine Ausgabe der Zeitschrift "verFilzt Und zugeNäht" was an und für sich recht erstaunlich ist, weil ich nicht gerade ein großer Filzer bin. Ich hatte die Zeitschrift früher schon öfter in der Hand, irgendwie interessant, aber dann doch wieder nicht interessant genug. Das Design vieler Filzarbeiten entspricht nicht immer so unbedingt meinem Geschmack. Und doch, ich bekam einst von einer Freundin einen speziellen Zebraschal! Streifen von schwarzer Wolle auf weiße Seide gefilzt. Der ist so wunderbar!
Jedenfalls habe ich diesmal bei der Zeitung zugegriffen, weil in dieser Ausgabe Themen wie "Nachhaltigkeit" und "Recycling" eine große Rolle spielen, die mich bekannterweise sehr interessieren :-) Und tatsächlich hat die Lektüre dieser Zeitung den Ideen in meinem Kopf einiges hinzugefügt, wie ich Filz als Methode zum Kleiderrecycling einsetzen kann.
Mit besonderer Freude habe ich jedoch den Artikel "Die Wiederentdeckung der Langsamkeit" von Sara Lechner gelesen. Und er hat mir sehr geholfen, die innere Ruhe, die ich beim Arbeiten an mittelalterlichen Stücken habe, auch für meine modernen Arbeiten zu finden. Sie schreibt darüber, wie die meisten Menschen heute Kleidung "konsumieren" und wieviel mehr uns der Prozess des Selbermachens eines Kleidungsstückes geben kann, eben schon der Prozess selbst und nicht nur das Tragen. "Slow Cloth" nennt sie das.
Und so habe ich mich endlich mal wieder ans Spinnrad gesetzt. Für meinen Mann möchte ich einen schwarzen Schal fertigen. Es wird kein aufwändiges Stück, er wird gehäkelt ohne großes Muster, nur in Stäbchen. Mein Mann liebt seine Alltagskleidung schlicht und schnörkellos. Aber die Wolle dafür, die mache ich genau so, wie sie für dieses Stück sein muss und arbeite mit Ruhe und Sorgfalt daran.
Für mich selbst habe ich einen Kammzug Bluefaced Leicester in Tannengrün erstanden. Ich möchte mir daraus einen Rock fertigen. Aber wie der genau aussehen soll, das weiß ich noch nicht. Ich spinne das Garn dafür ziemlich fein und auf meinem kleinsten Rad. Nach mehreren Stunden habe ich nun einen gezwirnten Strang zusammen, der gerade mal 30 g wiegt, von der Gesamtportion 230 g. Es wird also noch lange dauern, bis der Rock fertig ist. Na und? Es ist ja nicht so, dass ich ihn dringend morgen haben müsste. Mein Kleiderschrank ist ja prinzipiell voll genug. Ich weiß noch nicht genau mit welcher Technik und in welchem Design ich den Rock fertigen möchte. Beim Spinnen gehen mir viele Ideen durch den Kopf, werden wieder verworfen oder weiter entwickelt. Verschiedene Reststoffe kommen als Futter in Frage, verschiedene Techniken sind möglich, Kombination mit anderen Garnen, verschiedene Verschlussmöglichkeiten. Sicher ist, dass er ungefähr knielang werden soll, denn das steht mir am besten. Aber ob weit oder relativ eng, nicht mal das ist bisher sicher. Also auf den Rock müsst Ihr auf jeden Fall noch eine Weile warten und das macht überhaupt nichts. Ich lasse mir Zeit und dafür wird er hinterher für mich perfekt sein :-) Vielleicht berichte ich zwischendurch schon mal von den Fortschritten.

So, nun habe ich hier viele Gedanken in Worte gefasst. Ich habe in meiner kurzen Zeit in der Welt der Blogger gelernt, dass es hier viele Menschen mit einem schier unendlichen Vorrat an guten Ideen gibt :-) Nun verlasse ich Euch für die nächsten Tage mit einer Frage und bin gespannt, ob mir jemand helfen kann: Ich habe vor Jahren einen pinken Chenille-Pullover (100 % Polyester) erstanden. Er gefällt mir, ist schön kuschelig und passt mir. Anders als die anderen alten Sachen, die ich hier vorstelle, ist er aber nicht infolge jahrelanger intensiver Benutzung vom akuten Verfall bedroht, sondern er liegt die meiste Zeit ungenutzt im Schrank. Weil er aber doch so schön ist, wurde ihm der Weg in die Altkleidertonne bisher immer noch erspart. Was ist los mit dem Pulli? Er fusselt! Was immer ich am selben Tag trage - Hose, Unterwäsche, Jacke - alles ist hinterher voller pinkfarbener Fusseln, obwohl er schon ein paar Mal gewaschen wurde, hört das nicht auf.
Hat jemand Ideen, wie ich den Pulli retten oder etwas anderes daraus machen kann, wo das Fusseln nicht stört? Ich weiß wirklich nicht was, den auch bei einer Umhängetasche kann ich es nicht gebrauchen, wenn sie die Kleidung vollfusselt und dazu scheint er auch nicht stabil genug. Auch ein Sofakissen, das das Sofa mit pinken Fusseln überzieht, ist nicht der Renner.
Ich werfe so ungern unversehrten Stoff weg und würde mich daher riesig freuen, wenn jemand eine Lösung wüsste!



Damit wünsche ich Euch allen eine wunderschöne Adventszeit! Für viele steckt sie ja voller Überraschungen, Wichtelpaketen und Plätzchenduft! Möget Ihr alle diese Zeit genießen!
Euer Zebra

Spieglein, Spieglein an der Wand...

So, einen hab ich noch bevor es erstmal wieder etwas ruhiger werden wird hier im Blog. Dieses Mal geht es um einen Flurspiegel. Wir hatten einen großen, rechteckigen. Keine Schönheit, aber schlicht, zweckmäßig und in Ordnung. Leider hat er den letzten Besuch mit lebhaftem Nachwuchs nicht überlebt. *g* Naja, nicht so tragisch, dem Kleinen ist zum Glück nichts passiert und den Spiegel haben wir entsorgt. Aber es musste ja ein Ersatz her. Also sind wir durch verschiedene Läden gezogen, große und kleine. Was wir gesehen haben, war entweder unglaublich teuer oder so schlecht verarbeitet, dass wir es nicht haben wollten. Auch im Internet haben wir nicht den Spiegel für unseren Flur gefunden.
Da der Flur aber so langsam endlich fertig gestrichen und eingerichtet ist, wollte ich auch gerne das Spiegelthema zu einem Abschluss bringen. Dann fiel mir ein, dass wir ja noch einen alten Spiegel in der Abstellkammer stehen hatten. Der Spiegel ist rund, stammt aus den 70ern und hatte mal einen weißen Plastikrahmen. Ich denke mal, die meisten können sich ungefähr vorstellen, wie das wohl ausgesehen hat :-)
Es war mal der Schlafzimmerspiegel meiner Eltern. Als die ihn ausgemustert haben, habe ich den Rand lila gestrichen. Obwohl das nie so recht überzeugen konnte, war er eine Weile so in Gebrauch. Das Problem beim Anstrich war, dass der Spiegel recht locker in seinem Rahmen sitzt und sich die Innenseite des Rahmens spiegelt. Damit das sauber aussieht, hat mn zwei Möglichkeiten: Entweder den Spiegel aus dem Rahmen nehmen, den Rahmen streichen und den Spiegel neu einsetzen oder ein Stück über das Glas streichen. Ich habe damals beides nicht gemacht, deshalb sah es einfach nicht gut aus.
Die letzten Jahre hat der Spiegel in einen alten Bettbezug eingewickelt in einer dunklen Ecke gestanden. Nun wieder hervorgekramt waren mein Mann und ich uns schnell einig: so kann er nicht bleiben. Neben der mangelhaften Ausführung des Anstrichs passte auch Lila so gar nicht in unseren Flur.
Nun muss man wissen, dass ein wesentliches Gestaltungselement unseres Hauses schwarz gestrichenes Holz ist. Man sieht es von außen als Bestandteil der Konstruktion, es tritt aber auch in allen Zimmern in Erscheinung. Mein Mann wünschte sich den Spiegelrahmen daher dazu passend, also schwarz.
Aber wie bekommt man einen weißen, später violetten, Plastikrahmen dazu wie schwarz lackiertes Holz auszusehen? Klar, es gibt heute alle möglichen Strukturpasten, da hätte ich sicher auch Holzmaserung finden können. Aber erstens wollte ich nichts kaufen müssen und zweitens bin ich etwas skeptisch ob der Umweltverträglichkeit dieser Dinge. Ich bin schon bei den Farben skeptisch und werde mir Sicherheit in Zukunft weniger davon kaufen. Die Unmengen an Wasser, die man zum Reinigen der Utensilien braucht und die Tatsache, dass man Reste als Sondermüll entsorgen muss, sind nicht eben vertraunserweckend... Dennoch, ich habe ja noch einen großen Farbvorrat und ich will nicht einfach warten, bis die eingetrocknet sind und entsorgt werden müssen, sondern dann lieber noch etwas sinnvolles damit anfangen.

Zurück zum Spiegel: Ich habe eine Dose schwarzen Universallack in seidenmatt gefunden und den Rahmen damit gestrichen. Um den Eindruck von Holz zu erwecken habe ich einen schmalen, sehr festen Borstenpinsel verwendet und in mehreren Lagen gestrichen. Mit diesem Pinsel war auf diesem Untergrund kein einheitlicher Farbauftrag möglich. Dadurch ergab sich schließlich eine Optik wie die von lackiertem Holz!
Damit war das erste Problem gelöst, aber das zweite noch offen, nämlich der Übergang zum Spiegel. Bisher wirkten Spiegel und Rand unharmonisch, wie zwei völlig verschiedene Teile, die zufällig beisammen sind. Ich wollte wieder eine Einheit daraus machen und einen organischen Übergang schaffen. Ich habe eine Weile überlegt, ob ich ein weiteres Material für den Übergang verwenden sollte, z. B. Pappmache oder Spachtelmasse. Da die schwere Spiegelplatte aber relativ locker und beweglich in dem leichten Rand liegt, war mit Sprüngen zu rechnen. Deshalb habe ich mich entschieden den Übergang alleine mit Farbe zu machen.
Ich habe also so weit wie möglich die Rahmeninnenseite bemalt. Herausnehmen wollte ich den Spiegel weiterhin nicht, den ich habe nicht das geeignete Werkzeug/Material ihn wieder einzusetzen. Stattdessen habe ich ein Stückchen auf dem Spiegel gemalt. Es war gut, dass ich mich zu dieser Lösung entschieden hatte, denn beim Drehen entstanden tatsächlich die befürchteten Sprünge, selbst in der Farbe, wo sie sich aber leicht ausbessern ließen.
Da der Rahmen jetzt ja bereits "Holzoptik" erhalten hat, habe ich mich entschieden kleine Ranken auf die Spiegelfläche wachsen zu lassen, um den Übergang harmonisch zu gestalten. Dazu habe ich einen feinen Haarpinsel verwendet. Die Farbe war nun nicht ausgesprochen zur Verwendung auf Glas geeignet. Allerdings stand drauf, dass man auf Metall damit malen könne und was auf Metall hält, hält sicher auch auf Glas, dachte ich mir und es hat auch tatsächlich funktioniert. Allerdings hat mich das Malen auf dem glatten, überhaupt nicht saugfähigen Untergrund am Anfang einige Nerven gekostet. Saubere Ränder hinzubekommen war ganz schön schwierig. Am besten ging es die Farbe sehr dick aufzutragen, damit sie zu einer glatten Fläche verlaufen konnte. Jede Ranke ist ein bisschen anders, wie in der Natur!
Dann nur noch trocknen lassen, Spiegel putzen und aufhängen. Fertig!
Naja fast, denn dann kam noch die spannende Frage, wie fotografiere ich einen Spiegel ohne dass sich etwas doofes darin spiegelt? Ich denke aber mal, letztlich hab ich es dann doch noch geschafft, dass Ihr einen Eindruck vom ganzen Spiegel und auch von der Struktur der Oberfläche bekommen könnt!


Samstag, 11. Dezember 2010

Mittelalter: Schleier 11./12. Jh. oder "Schwedische Gardinen"

Gestern ist endlich ein Projekt fertig geworden, das ich bereits im Juni begonnen habe. Ich reiste mit meinem Mann durch Schweden und da blieb ein Besuch der Königlichen Leinenweberei in Klässbol natürlich nicht aus :-) Neben der Besichtigung der beeindruckenden Handwebstühle durften wir schon ein paar Tage vor Victorias Hochzeit einen Blick auf die Bettwäsche ihrer Hochzeitsnach werfen!

Natürlich musste ein Stück als Andenken mit. Ich entschied mich für ein Stück schwedischen Gardinenstoff, B-Ware zum günstigen Preis. Eigentlich hat der Stoff nämlich farbige Streifen an den Rändern, aber die konnte ich sowieso nicht gebrauchen und einfarbigen Stoff in dieser transparenten Webart, die sich für mittelalterlliche Schleier hervorragend eignet, hatten sie nicht im Sortiment. Also erstand ich ein Stück, bei dem die Kanten gerissen waren, zum günstigen Preis.
Noch auf der Fahrt habe ich die Kanten abgeschnitten. Der Stoff ist aus einfädigen Garnen gewebt. Hervorragend! Denn so konnte ich Gewebefäden ausziehen, verzwirnen und damit nähen, wie bei Funden z. B. in Schleswig. Das Nähen der langen Kanten nahm einige Reisezeit in Anspruch, immerhin ist das gute Stück 2,6 m lang.
Viele mittelalterliche Schleier wurden direkt in Form gewebt und weisen Fransen an den Enden auf. Darum habe ich Gewebefäden an den kurzen Seiten ausgezogen und die Kettfäden in 5er-Gruppen zu Fransen gedreht. Das war die letzte Arbeit für die Reise, denn gesäumt ist der Schleier 58 cm breit und da war ich gut beschäftigt.
Nun habe ich endlich weiter gemacht. Viele mittelalterliche Schleier hatten nämlich eingewebte farbige Streifen an den Schmalseiten. Natürlich konnte ich auf den Webprozess keinen Einfluss mehr nehmen. Aber ich konnte ihn immitieren! Dafür habe ich Fäden ausgezogen und mit der Nadel Leinengarn in passender Stärke wieder eingefädelt. Passenderweise habe ich mich für die schwedischen Farben entschieden :-)
Das dunkle Blau ist eine Indigo-Färbung. Für das gelbe Garn habe ich unreife Kreuzdornbeeren verwendet.
Für die blauen Streifen habe ich in je 3 Fäden ausgezogen, dann 5 Fäden stehen gelassen und 6 Fäden für die gelben Streifen ausgezogen und ersetzt. So sieht das nun aus:




Heute habe ich das Stück dann auch gleich ausprobiert und meinen Mann gebeten ein paar Fotos zu schießen. Naja, der Schleier muss noch gewaschen werden, mit der Appretur ist er kaum zu bändigen... Und ja, es sieht bei uns im Flur wirklich so aus, aber nein, wir wohnen nicht auf einer Burg :-)
Das Kleid ist im Übrigen aus Seide und mit Krapp und Reseda gefärbt und über die ganze Fläche mit Kettenstichen bestickt. Eigentlich wollte ich darin heiraten. Leider habe ich im Hochzeitsvorbereitungsstress 14 Kilo zugenommen und am großen Tag nicht mehr rein gepasst *seufz* Immerhin, jetzt passt es wieder und ich bin froh, wenn ich es in der nächsten Saison wieder tragen kann.


Häkelwahn - Dreieckstuch

Nun war aber noch von der dunkelblauen "Wolle" (tatsächliche Bestandteile unbekannt) übrig. Ich hab mich für ein Dreieckstuch entschieden. Begonnen habe ich mit einer einzigen Luftmasche. In diese habe ich drei Stäbchen eingehängt. Dann in die beiden ä´ußren jeweils wieder drei Stäbchen eingehängt, die mittlere übersprungen. Danch bin ich zu folgendem Muste rübergegangen: In die Randmasche immer 3 Stäbchen eingehängt, ansonsten im Wechsel: eine Reihe Dreiergruppen, jeweils 2 Stäbchen überspringen, 2 Reihen Zweiergruppen, jeweils ein Stäbchen übersprungen.
Den Rand hatte ich mit einem schönen Muster umhäkelt, aber kurz vor dem Ende ging mir das Garn aus :-( Also wieder aufgezogen und nun mit schlichten Ketten aus je 6 Luftmaschen eingefasst.
Als Verschluss habe ich eine schlichte Omegafibel aus Messing gewählt. Der Goldton harmoniert mit dem dunklen Blau und die schlichte Form unterstreicht den "Antik-Look". :-)