Mittwoch, 10. August 2011

Plastik: Wissensquiz

Auf der Webseite des Geomagazins werden diverse interessante Wissenstests angeboten. Und weil mich das Thema Plastik ja auch gerade beschäftigt, fand ich das zugehörige Quiz sehr spannend (ich habe übrigens ziemlich schlecht abgeschnitten...). Wer sich auch mal daran versuchen will, findet den Test hier.
Aus dem Test habe ich auch erfahren, dass die EU eine Umfrage zum Thema Plasiktüten gemacht hat. Es gibt Länder, in denen Plastiktüten hoch besteuert werden, wodurch der Verbrauch drastisch reduziert werden konnte. Offenbar überlegt die EU ähnliches. Schade, dass man von solchen Umfragen nur sehr zufällig erfährt. Die Umfrage endete nämlich am 9.8., also gestern, und man kann sich nicht mehr beteiligen.

Sonntag, 7. August 2011

Recycling-Mode: Umstyling für ein schwarzes Schlabberkleid

Wir waren auf der Hochzeit eines lieben Freundes eingeladen, die gestern stattgefunden hat. Ungefähr zwei Wochen vorher habe ich begonnen mir Gedanken darüber zu machen, was ich da wohl anziehen könnte. Das niederschmetternde Ergebnis: nichts!
Der Hosenanzug ist im letzten Vierteljahr nicht mitgewachsen, die Sommerkleider sind zu leger, in Blusen fühle ich mich nicht wohl, das Abendkleid fand ich zu übertrieben - immerhin ging die Hochzeit schon um 12 Uhr mit Kirche los, Sektempfang, Kaffe und Kuchen, Abendbuffet und Feier bis in die Nacht. Was zieht man da überhaupt an?
Ein Kleid aus regionaler, solider handwerklicher Produktion gab unser Budget nicht her und irgendwas aus einem Billiglohnland zu kaufen wiederstrebte mir. Also blieb mir nur die Wahl: ein neues Kleid nähen oder ein altes umarbeiten. Ich sichtete meinen Kleiderschrank nochmal und entschied mich für letzteres.
In einem alten schwarzen Jerseykleid aus Viskose-Polyester-Gemisch entdeckte ich das Potential. Es brachte zwei Vorteile mit: das schlichte Schwarz ließ sich mit praktisch allem kombinieren und es war bequem!
Ansonsten war bei diesem Kleid jede Chance ergriffen worden, um für meine Figur unvorteilhaft zu sein. Ich besitze es seit ungefähr 17-18 Jahren, aber ich habe es nie viel getragen, die letzten 10 Jahre vermutlich überhaupt nicht mehr, es aber doch irgendwie nicht wegwerfen wollen, weil es ja eigentlich noch gut war. Manchmal ist das schon verrückt, was man so für einen Ballast im Schrank hat, aber es gehört ja zu meinem Anliegen, seit ich im letzten Oktober diesen Blog begonnen habe, dass ich nach für nach alle diese Schrankleichen aufarbeite und irgendwann nur noch "Lieblingsstücke" im Haus habe.


Das Kleid hatte eine Länge, die eigentlich bei fast niemandem wirklich gut aussieht, aber bei mir besonders furchtbar. Bei meinen etwas zu kräftig ausgefallenen Beinen, lassen sich kniekurze Röcke noch ganz gut tragen, knöchellang noch viel besser. Das schwarze Kleid endete aber genau an der breitesten Stelle meiner Waden und das sah schon immer fürchterlich aus.
Das beste an meiner Figur war schon immer die schmale Taille, die in Resten selbst jetzt, so dicht an meinem Höchstgewicht, immer noch vorhanden ist. Wenn man die ein bisschen betont, kann man zumindest ein bisschen von den Problemzonen ablenken. Das Kleid hing jedoch von der Brust gerade wie ein Sack herunter und machte mich noch unnötig dicker.
Der große runde Halsausschnitt betonte die Form der Brust wie in einer Wiederholung und ließ mich noch runder wirken.
Nur die Ärmel waren einigermaßen günstig für meine kräftigen Oberarme, nämlich lang, schwarz und schmal geschnitten. Ich wollte sie aber noch zusätzlich verlängern, um die Form optisch weiter zu strecken.

Mein Plan für das "Umstyling" sah also folgendermaßen aus:
- Länge anpassen
- Taille betonen
- Halsausschnittform verändern
- Ärmel verlängern

Außerdem wollte ich gerne noch etwas zu dieser Hochzeit passendes mit aufnehmen. Zuerst gingen meine Gedanken an Rosen, denn der 6. August ist der Tag eines Rosenfestes, wie mir der Bräutigam verriet, und ich wusste, dass dieses Thema in der Deko aufgegriffen worden war. Ich entschied mich dann aber für ein paar subtilere Details. Denn der Bräutigam macht begeistert Origami. Ich kann das bisher noch nicht. Aber ich hatte in dem wundervollen Buch "Trendy Vintage" eine Borte aus Stofforigami gesehen.

Als Stoff wählte ich einen alten Satin-Bettdecken-Bezug in leuchtendem, aber dunklen Blau aus. Und ich nahm mir vor, ausschließlich mit rechteckigen Teilen zu arbeiten. Ich habe neulich mit großem Kopfschütteln darüber gelesen, dass die Modebrachnche auch deshalb zu den größten "Umweltsündern" gehört, weil im Durchschnitt mit 15 % Verschnitt gearbeitet wird (je exklusiver die Mode, desto höher der Verschnitt, in den Designer-Häusern sind wohl auch Zahlen jenseits von 30 % nicht ungewöhnlich). Durch die langjährige Beschäftigung mit der Mode des 11. und 12. Jh. und der Verwendung von handgewebten Stoffen, bin ich daran gewöhnt so zu arbeiten, dass es überhaupt keinen Verschnitt gibt und auch nicht geben darf, weil im Mittelalter in jedem Quadratzentimeter Stoff viele Arbeitsstunden gelegen haben. Also mein Anspruch für dieses Umstyling: Kein Verschnitt!

Als erstes habe ich die Länge angepasst. Ich habe mich dafür entschieden, das weich fließende Jerseykleid auf bodenlang zu verlängern. Vom Bettbezug habe ich zuerst die Knopfleiste abgeschnitten und dann entlang der Längsnähte über die gesamte Länge einen jeweils 34 cm breiten Streifen abgeschnitten. Die Streifen waren jeweils knapp 2 m lang, der alte Saum insgesamt knapp 3 m.
Die alte Längsnaht wurde zur neuen Saumkante. Die Schnittkanten habe ich nach innen umgeschlagen und zunächst mal die Hälfte mit einem Reihfaden eingehalten und mit Nadeln auf einen Viertel des Saumes, also auf 75 cm verteilt. Mit Überwendlichstichen habe ich den Volant von außen aufgenäht und auch die Seitennähte des Volants geschlossen.


Für den Halsauschnitt habe ich 8 Streifen in 30 cm Länge und ca. 7 cm Breite zugeschnitten, vier davon etwas breiter, vier etwas schmaler. Ich habe alle Kanten nach innen gefaltet und die Bänder dann noch der Länge nach gefaltet. Um später den Flechteffekt noch zu verstärken, habe ich sie mit schwarzem Nähgarn im Rückstich entlang der offenen Kanten zusammengenäht. Die vier schmaleren Streifen auch noch entlang der Faltkante. Bei den breiteren Streifen wurde die Faltkante erst beim Aufnähen auf das Kleid gesteppt.
Der alte Halsausschnitt blieb erhalten, ich habe die Stoffstreifen zu einem Quadrat darauf gelegt. Die etwas breiteren Streifen bilden das äußere Quadrat und verdecken die alte Kante größtenteils. Die etwas schmaleren Streifen bilden ein inneres Quadrat, verdecken in den Ecken die Reste der Rundung und verkleinern den Ausschnitt optisch insgesamt.
An den Ecken habe ich die Streifen wie beim Weben überlappen lassen und damit schon mal das Origami-Thema aufgegriffen. Die inneren Streifen habe ich etwas länger gelassen, die äußeren etwas gekürzt, damit sich der Ausschnitt getragen optimal an die Kontur der Schultern anpasst.



Die Ärmel bekamen eine Art Manschette aus doppellagigem Satin, die von innen an die Ärmel angenäht wurde. Da sie dadurch überlang wurden, ist die Manschette auf der Daumenseite für einige Zentimeter offen, so dass man gut Händeschütteln oder Besteck benutzen kann, ohne die Ärmel hochschieben zu müssen. Von der Außenseite wollte ich die Kante durch eine aufgesetzte Stoffborte verdecken. Hier kam nun das Stoff-Origami zum Einsatz. Ein Stoffstreifen wird so gefaltet, dass die Schnittkanten sich auf der Innenseite überlappen. Aus dem langen Streifen näht man dann rechtwinklig Bereiche ab. In meinem Fall sollten diese Abschnitte 1 cm breit sein, d.h. in der Länge musste ich dafür 2 cm rechnen, da der Stoff ja dort doppelt liegt. Aber im Gegensatz zu der Anleitung in "Trendy Vintage", wo es sich um ein fortlaufendes Muster aus Dreiecken handelt, habe ich das Muster für mich angepasst. Ich habe immer zwei Abschnitte an einer Stelle zusammengezogen und die Seiten dann nicht in die selbe Richtung eingeklappt, sondern eines davon gespiegelt. Dadurch ergab sich eine kleine Raute. Für jede Raute habe ich ungefähr 4 cm in der Länge benötigt.
Anders als beim echten Origami wird hier ja auch gewissermaßen geschummelt, indem die nach innen geklappten Seiten der Dreiecke mit ein paar Stichen fixiert werden. Pro Ärmel habe ich zunächst drei solcher Rauten gearbeitet und dann beim Aufnähen genau bei der offenen Seite der Manschette aus den Endstücken noch eine vierte.
Abgerundet werden die Ärmel durch kleine aufgenähte schwarze Kunststoff von einem alten Armbändchen, dessen Gummi kaputt gegangen ist.



Um das Kleid auf Taille zu bringen, reicht theoretisch ein einfacher Gürtel. In einer alten Burda vom Flohmarkt, hatte ich Jersey-Kleider mit langen Bindebändern gesehen. Das erschien mir für dieses Kleid passender. Ich konnte die Maße erst nich glauben, habe es aber dann doch tatsächlich so umgesetzt, dass ich zwei Bänder à 150 cm Länge genäht habe. Anders als bei den meisten Stellen des Kleides, wollte ich sie nicht von außen mit Überwendlichstich oder Rückstich nähen, sondern von links und sie dann wenden. Das habe ich auch gemacht, aber sie ließen sich dann nicht gut flach bügeln und vor allem blieben sie nicht so. Durch die innen liegenden Nähte wurde die Tendenz des Stoffes noch gefördert, sich aufzuplustern und statt flacher Bindebänder mehr nach Schläuchen zu wirken. Um hier Abhilfe zu schaffen und die Bänder zu veredeln, habe ich geschliffene, schwarze Kunststoffperlen von einem alten, mehrreihigen Armband, das vor mir schon meiner Mutter gehört hatte und dessen Gummi ebenfalls ausgeleihert war, verwendet. Ich habe je Bindeband 10 solcher Perlen aufgenäht, d. h. je fünf übereinander, aber von beiden Seiten, so dass die Stoffschichten in der Mitte verbunden wurden und sich der Stoff nicht mehr aufplustern konnte. Die geschliffenen Perlen geben in Kunstlicht schöne Lichtreflexe.


Die Bindebänder wurden in der Originalbeschreibung in den Seitennähten mitgefasst. Das ging hier natürlich nicht, weil das Kleid ja schon fertig genäht war. Ich habe sie also von außen auf die Seitennähte aufgenäht. Abweichend von der Burda-Vorlage habe ich sie auch nicht unten schräg geschnitten, sondern die Kanten gerade gelassen.

Das waren dann erstmal die Änderungen am Kleid. Der doppellagige Volant am Saum gab dem Kleid mehr Volumen und viel Schwung beim Laufen. Die Bindebänder bringen die gewünschte Taille, ohne zu viele Falten zu werfen. Dadurch dass sie so lang sind und nach hinten weisend angenäht wurden, bringen sie das Kleid in Form ziehen die Falten aber eher nach hinten, wo wegen des Hohlkreuzes Platz für ein paar Falten ist :-) Vorne zur Schleife gebunden, verdeckt die Schleife sogar noch ein wenig das inzwischen leider vorhandene kleine Bäuchlein.


Sam bekam anlässlich der Hochzeit noch einen alten Schlips von meinem Mann gekürzt und ans Halsband geknotet. Damit wurde er sofort zum Liebling aller Hochzeitsgäste. Es ist ein interessantes Phänomen, wie anders Leute auf einen Hund mit Schlips reagieren. Obwohl Sam ja eine Seele von Hund ist, haben doch viele Leute Angst, weil er groß und dunkel ist. Aber ein Hund mit Schlips frisst vermutlich keine Hochzeitsgäste...

Ich hatte nun noch ein großes Stück doppellagigen blauen Stoff übrig, den ich zu einer Stola verarbeiten wollte. Dazu noch die Knopfleiste. Ergänzt habe ich einen ausgemusterten schwarzen Netzschal. Von diesem habe ich an beiden Enden einen Streifen angesetzt und mit Stoffstreifen aus der Knopfleiste eingefasst. Es war ein ziemliches Geduldsspiel mit dem sehr dehnbaren und sich aufläsendem Material zu arbeiten.
Die Stola selbst habe ich nach den Erfahrungen mit den Bindebändern lieber an den Kanten nach innen umgeschlagen und mit Überwendlichstichen von außen genäht.
Die Enden der Stola wollte ich noch etwas raffen, um den Effekt des Netzschalen noch zu verstärken. Dazu habe ich schmale Stoffstreifen genäht, mit einer Länge von etwas mehr als der halben Stolabreite. Ich habe sie in einigen Zentimern Abstand zur Ansatzstelle des Netzstoffes durch den Stoff gefädelt und an die Einfassung angenäht. Den Netzstoff habe ich gleichmäßig darauf verteilt und mit wenigen Stichen zusammengerafft. Auf den Stoffstreifen dann noch ein paar von den gleichen geschliffenen Kunststoffperlen, wie auf das Bindeband, für weitere Glanzlicht-Effekte bei Kunstlicht. Dadurch wirkt die Stola nicht nur offen über die Schultern getragen sondern auch ganz besonders gut, wenn sie vorne verschlungen ist, so dass das Stoffband mit den Perlen schön zu sehen ist.





Nun, wieder ausgeschlafen von der Hochzeitsfeier, kann ich Euch von meiner Freude darüber schreiben, dass ich 6 Tage Arbeit in das Kleid und 4 Tage Arbeit in die Stola investiert habe (an allen Tagen habe ich  mehrere Stunden nähen können). Ich hatte auf das richtige Kleid gesetzt, denn es ist die ganzen 12 Stunden über bequem geblieben und hat trotzdem gut ausgesehen! Mir gefällt das Ergbnis gut und ich freue mich, dass ich nicht irgendwas neues, billiges gekauft habe, was bei meiner Figur meistens doch nicht überall optimal sitzt. Und der Bräutigam hat sich über die Origami-Borte auch gefreut :-) An dem alten Kleid habe ich überhaupt nicht herum geschnitten, sondern nur ergänzt, es ist sozusagen noch im Original erhalten. Den Bettbezug habe ich optimal ausgenutzt, bis auf wenige Krümel, vor allem Nähte, von der Knopfleiste, ist nichts mehr übrig. Kurzum: Plan rundum geglückt!

Mittwoch, 20. Juli 2011

Arbeiten mit Plastiktüten II - "Spinnen" & Häkeln

Um die Plastiktüten für die Buchhüllen verschmelzen zu können, musste ich sie ja vorher von Henkeln, Schweißnähten etc. befreien. Vor mir lag also eine Menge "Müll". Ich habe alles in ca. 1 cm breite Streifen geschnitten und mit dem Bügeleisen zu einem Endlosband verschmolzen. Dazu habe ich die Streifen an den Endstücken jeweils einige Zentimeter überlappen lassen und diese Stelle dann zwischen Backpapier erhitzt.


 Das so erhaltene "Vorgarn" wollte ich so noch nicht verwenden. Es waren ja die ganzen hässlichen Stücke von den alten Plastiktüten. Ich wollte es erst zu einer Art Garn verdrehen. Ich dachte mir, für das moderne Material nehme ich mein modernstes Spinnrad. Aber da kam ich gar nicht mit klar. Es waren ja viele dicke Stellen im Plastik, die viel Drehung benötigten, aber ich bekam das Spinnrad nicht richtig eingestellt, das Plastikgarn ist mir ständig gerissen. Da aber das Verdrehen zwischen den Fingern prinzipiell gut funktioniert hat, habe ich das Spinnrad wieder weg gestellt und statt dessen meine älteste Spindel hervorgeholt. Es ist eine einfache Kreuzspindel aus groben Zweigen und ziemlich schwer. Darauf habe ich mir vor mehr als 15 Jahren das Spinnen beigebracht. Es zeigte sich, dass die Wollfäden, mit denen ich die Zweige zusammen gebunden hatte, inzwischen von Motten heimgesucht worden waren. Naja, weg damit. Zum Verspinnen von Plastik konnte ich die Spindel auch gut mit ein paar Gummi-Ringen zusammen bauen :-) Und siehe da, mit dieser Spindel hat es dann prächtig funktioniert. Zwar im Vergleich zu weichen Fasern auf die Dauer recht anstrengend, aber es war ja nun auch ein sehr spezielles Material. Und Sam hat sich gefragt, wieso Frauchen mit Stöckchen spielt und er nicht mitspielen darf :-)




Mit Nadelstärke 8 ließ sich das Garn trotz der Unregelmäßigkeiten gut bezwingen. Und so habe ich ein kleines Säckchen als Behälter für die Hundekotbeutel daraus gehäkelt. Wir sind ja sehr spontan zu einem Hund gekommen und haben zunächst mal so einen Behälter aus Hartplastik im Laden gekauft (der war sogar im Zebra-Design!). Leider haben wir kürzlich auf einem Fest den Deckel davon verloren, so dass wir ihn nicht mehr benutzen können. Mich hat daran aber ohnehin gestört, dass das Hartplastik immer so gegen die Metallteile an der Leine klappert und dass man bei den Nachfüllbeuteln immer aufpassen muss, dass man den richtigen Hersteller erwischt. Jeder Beuteltyp hat nämlich nur in den speziellen Behälter gepasst.
Jetzt haben wir einen schönen, individuellen Behälter, der nicht mehr klappert, leicht gereinigt werden kann, für jede Sorte Beutel passt (die auf dem Bild sind übrigens kompostierbar! Als Hundehalter ist man ja wieder mit ganz neuen ökologischen Problemen konfrontiert...), kostenlos und außerdem aus Abfall gefertigt wurde, was ich sehr passend für diesen Zweck finde :-)
Ich habe mit einem Fadenring am Boden begonnen, dort wo man jetzt die Beutel rausziehen kann. Erst eine Runde feste Maschen, danach halbe Stäbchen. Am oberen Ende habe ich noch eine Luftmaschenkette zum Befestigen angehäkelt. Eine kürzere separate Luftmaschenkette habe ich durch die vorletzte Reihe gezogen zum Zubinden.

Plastik - zwei Videotipps

Bei meinen Recherchen zum Thema Plastik bin ich auf eine interessante Erfindung gestoßen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Und zwar hat ein Japaner eine Maschine erfunden, die mit nur relativ geringem Energieaufwand aus Plastik wieder "Erdöl" macht, das zu Diesel, Benzin oder Kerosin weiter verarbeitet werden kann. Warum haben wir nicht alle so eine Maschine (kostet 10.000 Dollar)?


Ich bin aber auch noch über was anderes gestoßen und zwar mal wieder bei der Sendung mit der Maus. Ich habe mir die Sachgeschichte über Spülschwämme angesehen. War mir bis dahin gar nicht klar, dass das auch ein Erdölprodukt ist. Naja, aus irgendwas müssen die sein, das war schon klar, und dass die so nicht am Baum wachsen auch. Trotzdem hab ich nie darüber nachgedacht, woraus so ein Spülschwamm eigentlich ist. Nun gut, jetzt weiß ich es. Und weiß auch, dass ich hier Ressourcen schonen möchte. Spülschwämme werden noch aufgebraucht, aber dann von der Einkaufsliste gestrichen. Bürsten und Lappen können das genauso gut!

Nachtrag: Kurz nachdem ich das hier geschrieben hatte, bin ich in einem schönen Blog auch noch über selbstgestrickte Spültücher gestolpert. Super, gleich eine Anregung für eine wunderschöne Alternative zum Erdöl-Schwamm aus der Massenfabrikation!

Arbeiten mit Plastiktüten I - Buchhüllen

Als ich dieser Tage endlich mal wieder in Euren Blogs gelesen habe, bin ich über einen Eintrag von Anneli vom 10. April (!) gestoßen, wo sie sich im Plastik schmelzen versucht hat und daraus einen wunderschönen Geldbeutel genäht hat.
Da mich die Frage, was man mit Müll, der nun mal täglich anfällt, selbst man versucht ihn zu vermeiden oder zumindest zu verringern, ständig beschäftigt, habe ich mich über diese Anregung besonders gefreut und musste es gestern und heute gleich mal ausprobieren. Ich habe zwar noch nicht alle Projekte des letzten Vierteljahres hier dokumentiert, schiebe aber schnell mal was aktuelles ein.
Also, nachdem ich im Internet nochmal nachgelesen habe, wie es denn mit den giftigen Dämpfen ist (je höher die Temperatur, desto mehr Gefahr für giftige Dämpfe, insbesondere wenn mit offener Flamme verbrannt wird), habe ich mich nach der Anleitung im Bockfilz-Blog dran gemacht und alte, kaputte Plastiktüten aufgeschnitten und zwischen Backpapier bei niedriger Temperatur zusammengebügelt. Sicherheitshalber habe ich das Fenster aufgemacht, aber zu riechen war nichts und auf den meisten Tüten habe ich sogar den Hinweis "verbrennt ungiftig" gefunden.
Einen neuen Geldbeutel brauche ich derzeit nicht, aber ich hatte mich gefragt, ob man auf diese Weise eine abwaschbare Tischdecke für den Terrassentisch machen könnte. Zwar habe ich eine entsprechende Größe zusammen bekommen, aber durch das Schmelzen war eine so unregelmäßige Oberfläche entstanden und das ganze auch alles andere als eine ebene Fläche, dass es meine Ansprüche an eine Tischdecke nicht erfüllt hat. Trotzdem hat mir das Ergebnis gefallen, denn die Oberfläche erinnert an bestimmte Ledersorten.
Also hab ich was anderes daraus gemacht. Nämlich einerseits eine Hülle, in die ich mein Feldbuch stecken kann, mit Fach für einen Stift, so dass in Zukunft das Büchlein besser geschützt und der Stift immer in der Nähe ist. Ich habe dafür recht feste Tüten verwendet und dreilagig zusammengebügelt. Die Außenseite hat sogar quasi einen Zebra-Look erhalten :-)
Es stellte sich natürlich die Frage: Womit Plastik nähen? Tja, was könnte da besser funktionieren als Plastik? Ein altes Zwiebelnetz ergab aufgetrennt ein gutes Näh- und Stickgarn für dieses Plastikmaterial.



Für mein liebstes Pflanzenbestimmungsbuch, dass nach vielen Stunden im Gelände schon ganz schön ramponiert aussieht, war es dringend Zeit für einen wasserfesten Einband. Den habe ich aus zweilagigem Plastik genäht. Den vorderen Einschlag etwas knapper, damit man das Buch gut hinein bekommt, den hinteren dafür breiter, damit das Buch aufgeschlagen nicht raus rutscht. Auf die Vorderseite habe ich dann noch Rosen von einer bedruckten Plastiktüte appliziert und meine Initialen aufgestickt. Am Buchrücken und auf der Rückseite hat das Plastik so einen hübschen Ledereffekt, da habe ich nichts weiter mit gemacht.



Wenn ich heute darüber nachdenke, wie viele Meter Plastikfolie wir zu meinen Schulzeiten extra für Buch- und Hefteinbände gekauft haben und wie viele vorgefertigte Einbände, die ich dann bemalt oder mit Aufklebern dekoriert habe, um sie individueller zu gestalten, dann wird mir jetzt noch ganz anders. So was unnützes, wenn man es doch gleich selbst hätte machen können! Plastik, Bügeleisen, Schere und Nadel waren ja auch im Haushalt meiner Eltern immer vorhanden. Schade, um das ganze Geld und den zusätzlichen Plastikmüll, denn die Einbände neigten dazu nicht allzu lange zu halten und oben, an den verschweißten Stellen immer auszureißen. Hätten wir sie doch gleich mal selbst genäht...

Sonntag, 17. Juli 2011

Mittelalter: Kleider geändert

Vor der Saison habe ich noch schnell zwei Kleider geändert. Bei dem einen handelt es sich um ein Wollkleid, aus einem schönen, feinen Köper, der mit Krapp in orange eingefärbt worden war. Das überbodenlange Kleid mit den sehr engen, sehr langen Ärmeln, gehörte eigentlich meiner Mutter (das hat sie bei unserer Hochzeit getragen). Ich habe es damals zugeschnitten, eine Freundin hat es genäht und ich habe anschließend nur noch die Seidenborten angebracht. Wie bei einem Fund aus dem 11. Jh. in Bamberg zu sehen, ist der Halsausschnitt (und die ihm folgende Borte) hinten am Hals ganz gerade. Vorn ist er halbrund. Um aber keinen halbrunden Besatz ausschneiden zu müssen (zu viel Verschnitt für die kostbare Seide!) wurde ein gerader Streifen in Falten gelegt. Das habe ich hier auch so gemacht. Der Halsausschnitt ist außerdem vorne geschlitzt und wird mit einer kleinen Fibel verschlossen.
Auch an den Ärmeln sind Seidenbesätze. Auf der Seide sind übrigens Falken zu sehen. Das Muster wurde ebenfalls in Bamberg gefunden und stammt aus dem 11. Jh. Wir haben die Seide vor vielen Jahren für uns weben lassen (aus einer leider nicht mehr existierenden Quelle, von daher braucht Ihr gar nicht danach zu fragen, sorry! Wir hätten gerne noch viel mehr dort bestellt...). Bei den Ärmeln habe ich allerdings einen Fehler gemacht, die Borten waren in unterschiedlicher Höhe. Das war vor der Hochzeit aber nicht mehr zu ändern, da zu viele andere Projekte fertig gestellt werden mussten. Zum Glück sind die Ärmel aber sehr lang und werden in vielen Falten geschoppt. Dadurch fiel es nicht so auf. Als ich mir das Kleid in diesem Jahr für Veranstaltungen ausgeborgte habe, habe ich mir aber dann doch mal die Mühe gemacht und die oberen Borten auf beiden Seiten abgetrennt und in gleicher Höhe wieder angebracht. So kann man es jetzt tragen!



Desweiteren habe ich für mich noch ein bequemes, einfaches Untergewand aus handgewebten Leinen fertig gestellt. Ich habe noch ein langes, ärmelloses Unterhemd besessen. Da aber die Existenz von Unterhemden für diese Zeit nicht klar ist, habe ich mich lieber entschlossen, ein paar Ärmel daran zu machen. Dazu habe ich Stoff aus meinem missglückten 1. Versuch vom Tischdeckenrekonstruktionsprojekt genommen. Zu dieser Geschichte lässt sich kurz folgendes sagen: Nach rund 100 Stunden Arbeit mit weißem, feinem Leinen, auf Leinengrund in verschränktem Hexenstich, war noch nicht viel zu sehen. Nur ein etwas verdickter Streifen, der erst auf den dritten oder vierten Blick aufgefallen ist :-) Ich habe die Tischdecke zwischenzeitlich in der Saison benutzt. Bei einer Sturmböe in mein unglücklicherweise gerade offen stehender Zelt, fiel dieses um, und damit auch der Tisch samt darauf stehenden brennenden Kerzen. Die Tischdecke erhilt Ruß- und Wachsflecken und Brandlöcher und ich habe das Projekt erstmal für etliche Jahre ausgesetzt. Ich denke mal, wenn ich noch ein paar andere größere Sachen abgeschlossen habe, fange ich nochmal von vorne an. So langsam (es war 2006) ist der Ärger verraucht...
Aus den noch brauchbaren Teilen der Tischdecke habe ich die Ärmel geschnitten. Sie sind lang (sollen auch wieder geschoppt werden), aber auch noch so weit, dass man sie aufkrempeln kann (sieht man auf dem zweiten Bild). Der Stoff ist gebleicht, es ist also kein Bauerngewand, aber auch nicht besonders fein. Dementsprechend sind die Ärmel nicht wie bei einer Adligen, sondern gewissermaßen für den "Mittelstand", jemand der schon ein bisschen was besitzt, aber manchmal auch noch selbst mitanpacken muss (etwa die Frau eines Ministerialen oder eines Handwerkers).
Auch die Stickerei wollte ich noch verwerten. Ich habe sie ausgeschnitten und als Borte auf den besonders beanspruchten Nähten des Kleides aufgesetzt, so wie bei verschiedenen Alben des Hochmittelalters im Original zu sehen. Die langen Seitennähte sind besetzt (kann man auch auf dem unteren Foto einigermaßen erahnen), sowie die Schulternähte bis zum Halsausschnitt. So wird es länger halten, weil die Stellen, die ich sonst am häufigsten flicken muss, einen Besatz haben.
Weil das Kleid so furchtbar bequem ist und der handgewebte Stoff nicht so schnell durchsichtig wird, benutze ich es gerne als "Badekleid". Denn nicht nur unser Hund, auch mein Mann und ich sind richtige Wasserratten! Und wenn es auf einer Mittelalter-Veranstaltung irgendwo einen See oder einen Graben gibt, müssen wir natürlich rein, insbesondere wenn es so heiß ist, wie auf den Veranstaltungen in diesem Jahr!




Wer das Schwimmen mit einem bodenlangen Kleid noch nicht ausprobiert hat: man kommt sich mit dem ganzen Stoff um die Beine ein wenig vor wie eine Qualle :-)

Mittelalterliche Stickarbeit: Die Bannerpastete

Das Auge isst mit! Wie aus dem vorigen Post zu entnehmen, galt das nachweislich schon für höfische Bankette im 12. Jh. Und so haben wir in einem Rezept die schöne Idee gefunden, eine Pastete mit Bannern zu dekorieren. Pasteten waren ja im Hochmittelalter sehr beliebt. Schon im ältesten erhaltenen Kochbuch der Zeit ist von riesigen Pasteten die Rede, mit einer großen Menge verschiedener Füllungen. Oder auch von Schaupasteten, die nicht gegessen wurden, sondern z. B. mit lebenden Vögeln gefüllt, die dann nach dem Anschneiden im Saal herum geflogen sind. Und auch die Tänzerin aus der Torte ist keine Erfindung der Neuzeit, denn das Kochbuch sieht vor hohle Pasteten zu backen, aus denen dann Musiker entsteigen und die Festgesellschaft erfreuen.
Wir haben ein paar hübsche Pasteten gebacken, aber müssen uns bei der Größe dann leider doch mit heute üblichen Haushaltsbacköfen beschränken. Denn im Lager haben wir zwar inzwischen eine sehr komfortable erhöhte Feuerstelle, auf der man mit mehreren Töpfen, Pfannen, Rost und Spießen arbeiten kann, aber eben nicht backen.
Aber zurück zur Bannerpastete. Um die Adligen bei Tisch zu erfreuen, habe ich vereinfachte Versionen ihrer Banner auf Reste von pflanzengefärbten Seidenstoffen gestickt. Natürlich mit ebenfalls pflanzengefärbten Seidengarnen. Ich habe zum Teil im Stiel- und überwiegend im Kettenstich gearbeitet und obwohl die Banner nicht sehr groß sind, hat es doch eine ganze Weile gedauert, insbesondere der Löwe in der Mitte. Schließlich sind die Banner zweiseitig, jedes Motiv musste also zweimal gearbeitet werden. Aber dafür kann man die ja auch wiederverwenden. Und es war mal wieder eine hübsche kleine Arbeit für unterwegs.