Sonntag, 17. Juli 2011

Mittelalter: Kleider geändert

Vor der Saison habe ich noch schnell zwei Kleider geändert. Bei dem einen handelt es sich um ein Wollkleid, aus einem schönen, feinen Köper, der mit Krapp in orange eingefärbt worden war. Das überbodenlange Kleid mit den sehr engen, sehr langen Ärmeln, gehörte eigentlich meiner Mutter (das hat sie bei unserer Hochzeit getragen). Ich habe es damals zugeschnitten, eine Freundin hat es genäht und ich habe anschließend nur noch die Seidenborten angebracht. Wie bei einem Fund aus dem 11. Jh. in Bamberg zu sehen, ist der Halsausschnitt (und die ihm folgende Borte) hinten am Hals ganz gerade. Vorn ist er halbrund. Um aber keinen halbrunden Besatz ausschneiden zu müssen (zu viel Verschnitt für die kostbare Seide!) wurde ein gerader Streifen in Falten gelegt. Das habe ich hier auch so gemacht. Der Halsausschnitt ist außerdem vorne geschlitzt und wird mit einer kleinen Fibel verschlossen.
Auch an den Ärmeln sind Seidenbesätze. Auf der Seide sind übrigens Falken zu sehen. Das Muster wurde ebenfalls in Bamberg gefunden und stammt aus dem 11. Jh. Wir haben die Seide vor vielen Jahren für uns weben lassen (aus einer leider nicht mehr existierenden Quelle, von daher braucht Ihr gar nicht danach zu fragen, sorry! Wir hätten gerne noch viel mehr dort bestellt...). Bei den Ärmeln habe ich allerdings einen Fehler gemacht, die Borten waren in unterschiedlicher Höhe. Das war vor der Hochzeit aber nicht mehr zu ändern, da zu viele andere Projekte fertig gestellt werden mussten. Zum Glück sind die Ärmel aber sehr lang und werden in vielen Falten geschoppt. Dadurch fiel es nicht so auf. Als ich mir das Kleid in diesem Jahr für Veranstaltungen ausgeborgte habe, habe ich mir aber dann doch mal die Mühe gemacht und die oberen Borten auf beiden Seiten abgetrennt und in gleicher Höhe wieder angebracht. So kann man es jetzt tragen!



Desweiteren habe ich für mich noch ein bequemes, einfaches Untergewand aus handgewebten Leinen fertig gestellt. Ich habe noch ein langes, ärmelloses Unterhemd besessen. Da aber die Existenz von Unterhemden für diese Zeit nicht klar ist, habe ich mich lieber entschlossen, ein paar Ärmel daran zu machen. Dazu habe ich Stoff aus meinem missglückten 1. Versuch vom Tischdeckenrekonstruktionsprojekt genommen. Zu dieser Geschichte lässt sich kurz folgendes sagen: Nach rund 100 Stunden Arbeit mit weißem, feinem Leinen, auf Leinengrund in verschränktem Hexenstich, war noch nicht viel zu sehen. Nur ein etwas verdickter Streifen, der erst auf den dritten oder vierten Blick aufgefallen ist :-) Ich habe die Tischdecke zwischenzeitlich in der Saison benutzt. Bei einer Sturmböe in mein unglücklicherweise gerade offen stehender Zelt, fiel dieses um, und damit auch der Tisch samt darauf stehenden brennenden Kerzen. Die Tischdecke erhilt Ruß- und Wachsflecken und Brandlöcher und ich habe das Projekt erstmal für etliche Jahre ausgesetzt. Ich denke mal, wenn ich noch ein paar andere größere Sachen abgeschlossen habe, fange ich nochmal von vorne an. So langsam (es war 2006) ist der Ärger verraucht...
Aus den noch brauchbaren Teilen der Tischdecke habe ich die Ärmel geschnitten. Sie sind lang (sollen auch wieder geschoppt werden), aber auch noch so weit, dass man sie aufkrempeln kann (sieht man auf dem zweiten Bild). Der Stoff ist gebleicht, es ist also kein Bauerngewand, aber auch nicht besonders fein. Dementsprechend sind die Ärmel nicht wie bei einer Adligen, sondern gewissermaßen für den "Mittelstand", jemand der schon ein bisschen was besitzt, aber manchmal auch noch selbst mitanpacken muss (etwa die Frau eines Ministerialen oder eines Handwerkers).
Auch die Stickerei wollte ich noch verwerten. Ich habe sie ausgeschnitten und als Borte auf den besonders beanspruchten Nähten des Kleides aufgesetzt, so wie bei verschiedenen Alben des Hochmittelalters im Original zu sehen. Die langen Seitennähte sind besetzt (kann man auch auf dem unteren Foto einigermaßen erahnen), sowie die Schulternähte bis zum Halsausschnitt. So wird es länger halten, weil die Stellen, die ich sonst am häufigsten flicken muss, einen Besatz haben.
Weil das Kleid so furchtbar bequem ist und der handgewebte Stoff nicht so schnell durchsichtig wird, benutze ich es gerne als "Badekleid". Denn nicht nur unser Hund, auch mein Mann und ich sind richtige Wasserratten! Und wenn es auf einer Mittelalter-Veranstaltung irgendwo einen See oder einen Graben gibt, müssen wir natürlich rein, insbesondere wenn es so heiß ist, wie auf den Veranstaltungen in diesem Jahr!




Wer das Schwimmen mit einem bodenlangen Kleid noch nicht ausprobiert hat: man kommt sich mit dem ganzen Stoff um die Beine ein wenig vor wie eine Qualle :-)

Mittelalterliche Stickarbeit: Die Bannerpastete

Das Auge isst mit! Wie aus dem vorigen Post zu entnehmen, galt das nachweislich schon für höfische Bankette im 12. Jh. Und so haben wir in einem Rezept die schöne Idee gefunden, eine Pastete mit Bannern zu dekorieren. Pasteten waren ja im Hochmittelalter sehr beliebt. Schon im ältesten erhaltenen Kochbuch der Zeit ist von riesigen Pasteten die Rede, mit einer großen Menge verschiedener Füllungen. Oder auch von Schaupasteten, die nicht gegessen wurden, sondern z. B. mit lebenden Vögeln gefüllt, die dann nach dem Anschneiden im Saal herum geflogen sind. Und auch die Tänzerin aus der Torte ist keine Erfindung der Neuzeit, denn das Kochbuch sieht vor hohle Pasteten zu backen, aus denen dann Musiker entsteigen und die Festgesellschaft erfreuen.
Wir haben ein paar hübsche Pasteten gebacken, aber müssen uns bei der Größe dann leider doch mit heute üblichen Haushaltsbacköfen beschränken. Denn im Lager haben wir zwar inzwischen eine sehr komfortable erhöhte Feuerstelle, auf der man mit mehreren Töpfen, Pfannen, Rost und Spießen arbeiten kann, aber eben nicht backen.
Aber zurück zur Bannerpastete. Um die Adligen bei Tisch zu erfreuen, habe ich vereinfachte Versionen ihrer Banner auf Reste von pflanzengefärbten Seidenstoffen gestickt. Natürlich mit ebenfalls pflanzengefärbten Seidengarnen. Ich habe zum Teil im Stiel- und überwiegend im Kettenstich gearbeitet und obwohl die Banner nicht sehr groß sind, hat es doch eine ganze Weile gedauert, insbesondere der Löwe in der Mitte. Schließlich sind die Banner zweiseitig, jedes Motiv musste also zweimal gearbeitet werden. Aber dafür kann man die ja auch wiederverwenden. Und es war mal wieder eine hübsche kleine Arbeit für unterwegs.


Mittelalterliche Lebensmittelfarben

Da wir auf einer Veranstaltung Anfang Juni ein mittelalterliches Festessen als Programmpunkt aufführen wollten, habe ich im Frühjahr gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern der IG Wolf e. V. intensiv über Rezepte und die Ausgestaltung eines solchen Festes recherchiert. Zu Abläufen und Gerichten, aber auch über die Bedienung durch die Hofämter (Truchsess, Brotmeister, Mundschenk etc.) hatten wir ja schon im Vorjahr für unsere Hochzeit intensiv recherchiert. Dieses Mal ging es aber noch weiter ins Detail mit einem Schwerpunkt auf dem Thema Farbe. Verinfacht gesagt, war bei den Bauern des 12. Jh. alles grau, die Häuser, die Kleidung und auch das Essen, das sehr oft hauptsächlich aus Getreidebrei bestand. Die Adligen versuchten sich auf allen Ebenen möglichst weit davon zu distanzieren. Die farbenfrohe Kleidung fällt einem da gleich ein. Aber auch die Gebäude und Möbel waren oft sehr farbenfroh gestaltet und nicht zuletzt das Essen.
Wir haben also zusammengetragen, womit man im Mittelalter Lebensmittel einfärben konnte. Auf einem Workshop im April haben wir dann verschiedenes, was in den historischen Rezepten genannt wird, ausprobiert und in den folgenden Wochen weiter perfektioniert. Ein paar Ergebnisse will ich Euch hier zeigen.
Wir haben einen Grundteig hergestellt und dann mit verschiedenen Zutaten gefärbt. Dann haben wir zunächst mal Probestücke gebacken, um zu sehen, wie gut die Farbe nach dem Backen erhalten bleibt.


Auf dem Bild sieht man die Teigklumpen noch roh. Bekannte Sachen wie Petersiliensaft und Curcuma haben natürlich gut funktioniert. Mit geröstetem und zermörsertem Brot kann man den Teig zwar schön schwarz einfärben, aber er schmeckt hinterher scheußlich. Ist dann halt eher was für eine Schaupastete, die nicht gegessen wird. Ich habe eine Hühnchenpastete gebacken. Zur Dekoration kamen Teigschlangenlinien mit Petersiliensaftgrün und Kugeln zum Einsatz, die mit eingekochtem Rotwein gefärbt waren. Schmeckt auch etwas streng, ist aber noch essbar. Blöderweise habe ich hier kein Foto von. Naja, schaut Euch lieber die folgenden Kunstwerke an!
Da haben wir ein Rezept aus einem alten Kochbuch ausprobiert, in dem es heißt, man solle aus Teig eine Schlange formen, die gegen eine Taube kämpft, und beides auf einer Pastete platzieren. Das klang so toll, das mussten wir ausprobieren und so ist das Ergebnis:


Ich finde die Pastete ist hinreißend gelungen, aber ich muss gleich dazu sagen, dass ich sie nicht gebacken habe! Und hier gleich noch eine andere Pastete, an der ich nur ein bisschen mitgearbeitet habe, die aber im Wesentlichen auch von meinen Vereinskolleginnen gefertigt wurde, ebenso wie die im Hintergrund zu sehenden Mandeln, die mit Hilfe von Eiklar mit echtem Blattgold vergoldet wurden. Sie wurden zum Nachtisch gereicht - und gegessen!


Zum Nachtisch gab es außerdem ein Kirschpotage, das mit vergoldeten Gewürznelken dekoriert war, wie es im Originalrezept steht!
Und noch etwas spannendes gab es zum Nachtisch, an dem ich nicht mitgewirkt habe. Aber da man sowas nicht alle Tage sieht, wollte ich es Euch auch zeigen: ein essbares Schach! Das Schachbrett war aus Grießbrei und zum Teil mit Malvenblüten gefärbt. Das Originalrezept sieht zum Färben "Troy" vor, aber wir haben trotz intensiver Suche nicht herausfinden können, was damit wohl gemeint sein könnte. Die Figuren sind aus Käse und aus einer Art Lebkuchenteig geschnitzt. Nicht wundern, sie sahen im 12. Jh. noch anders aus als heute und stellten zum Teil auch noch ganz andere Figuren dar.


Ich habe mich derweil mit dem Thema "bunte Butter" befasst. Ich hatte sie im Vorfeld vorbereitet und eingefroren, da ich direkt vor der Veranstaltung mit dem Festessen noch arbeiten musste und keine Zeit dafür hatte. Ich bin zu sechs Kreationen gekommen mit sehr interessanten Geschmacksrichtungen. Sie beruhen nicht direkt auf mittelalterlichen Originalrezepten, sondern hier habe ich mit den Zutaten, die damals zum Färben von Saucen, Teig, Suppen etc. verwendet worden sind, experimentiert. Die helle Butter ist gewissermaßen standard mit Salz und Knoblauch, in der gelben treffen die würzige Schärfe von Curcuma und Feigensenf aufeinander zu einer wirklich leckeren Kreation, die ich auch für ein modernes Grillfest empfehlen kann. Die grüne, die ist mit ganz vielen Kräutern, klar. Die rote ist aber wieder spannend, es sind Meerrettich, rote Bete und rote Zwiebeln darin. Die braune bekommt ihre Farbe von gebräunten Zwiebeln, Zimt, gemahlenen, gerösteten Haselnüssen und Haselnussmus. Den ungewöhnlichsten Geschmack hat die schwarz-violette Butter, die mit gekochten Heidelbeeren, Mohn, schwarzem Pfeffer und Salz angerührt wurde.
Zum Einsatz kam die Butter bei den Vorspeisen. Gekochtes Hühnchenfleisch wurde in Schnecken- und Muschelschalen dekorativ angerichtet und mit den Würzbuttern bestrichen (im Bild ganz links).



Ganz rechts sieht man noch Käsestangen. Die habe ich gebacken. Sind zwar nicht so farbig, aber furchtbar lecker! Hier das Rezept:
175 g Butter schaumig rühren, dann 350 g Mehl, 3 Eier, Salz, Ingwer und 1 Glas mit Wein vermischtes Wasser zugeben und zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Diesen mind. 1 Std. ruhen lassen.
Danach ausrollen und Teigblätter ausschneiden und um in Stifte geschnittenen Käse wickeln. Bei mittlerer Hitze etwa 30 Min. backen. Wenn man keinen sehr fetten Käse nimmt, empfiehlt es sich (ich habe zum Test die Käsestangen inzwischen mehrfach gebacken) die Stangen vor dem Backen mit Butter einzupinseln. Ich habe sie außerdem kurz vor dem Ende der Garzeit mit verschlagenem Ei bepinselt und gemörsertem Salz und Pfeffer bestreut. Kalt und warm absolut zu empfehlen!

Wieder da! & Hilfe, wir haben einen Sam!

Nach monatelanger Abstinenz bin ich endlich zurück in meinem Blog... Die Gründe dafür sind vielfältig, wir hatten einige Mittelalter-Veranstaltungen, die auch noch intensive Vorbereitungen bedurften, haben Urlaub gemacht und waren infolge eines Blitzeinschlages in unserer Straße längere Zeit vom Internet abgeschnitten. Der Hauptgrund ist aber der, dass wir an Gründonnerstag sehr kurzentschlossen Familienzuwachs bekommen haben!

Nun haben wir also schon fast ein Vierteljahr einen Hund! Sam ist ein 8 Jahre alter Labrador, den wir aus dem Tierheim Bonn geholt haben. Auf dem Bild kommt er gerade vom Baden aus dem Wannsee, denn wir waren letzten Monat in Berlin. Das Leben mit Hund ist für uns natürlich neu und aufregend, für Sam aber auch! Es war auch nicht leicht einen Hund zu finden, der in unser Leben passt, der gerne mit ins Mittelalter kommt und der mit mir zwischen den Wohnsitzen pendelt und dabei insgesamt vier Bezugspersonen hat. Aber dank der intensiven Beratung im Tierheim haben wir den perfekten Hund gefunden. Er benimmt sich in Bus und Bahn super, ebenso wie im Mittelalter-Lager, sogar wenn viele Besucher da sind und alle Kinder in angrabbeln wollen. Er ist sehr gut verträglich und tobt am liebsten mit anderen Hunden herum. Sein recht hohes Alter sieht man ihm dabei gar nicht an. Wir sind sehr glücklich mit unserem Sam, der inzwischen auch eine richtig gute Figur hat, von den täglichen langen Spaziergängen. Als wir ihn bekamen, hatte er noch Übergewicht und keine Kondition, aber das haben wir beides längst im Griff. Nur bei meinem Mann und mir klappt es nicht halb so gut mit dem Abnehmen, wie beim Hund. Im letzten halben Jahr hab ich statt sogar einiges zugenommen und bin gar nicht glücklich darüber. Mir fehlt am neuen Wohnort einfach ein Schwimmbad in der Nähe und dazu auch noch die Motivation zu Hause was zu machen. Naja, das Spazierengehen über die Felder hier hält mich immerhin einigermaßen fit, wenn schon nicht dünn...
Und hier nochmal unseren Hund in trocken (auch wenn er labradortypisch in jeder Pfütze sitzt), man sieht, dass es einer von den schönen schokoladenbraunen ist, die man heute leider gar nicht mehr so oft sieht.


Trotz Hundeaufregung habe ich einiges gemacht, was ich so nach und nach einstellen werde. Zur Zeit häkle ich mit dem aufgeribbelten Sockengarn. Für's erste reicht's aber mit diesem Post und einem kleinen Filmchen über Recycling-Mode. Ich habe in letzter Zeit viel über Recycling- und Öko-Mode recherchiert und interessantes gefunden. Hier ein Link zu einem Video-Beitrag über das Label Redesign. Auch wenn die Modelle nicht alle meinen Geschmack treffen (manchmal sieht man noch zu stark, was es früher mal war, das gefällt mir persönlich nicht immer), finde ich den Laden trotzdem gut und es sind viele interessante Ideen dabei
Viel Spaß damit und bis bald!
Euer Zebra

Montag, 4. April 2011

Materialrückgewinnung - "Ich war eine Socke"

Genaugenommen: 18 Socken. Da ich ja nun mein Sortiment an handgestrickten Socken geflickt und drei neue paar gearbeitet habe, konnte ich alte Strümpfe ausmustern, die ich wirklich nicht mehr tragen wollte. 9 Paar Arbeitsstrümpfe aus Baumwolle mit Fragmenten von Gummibündchen wurden zuerst aussortiert.
Die einstigen Kniestrümpfe gingen längst nur noch bis zur Mitte der Wade und haben ihre besten Jahre längst hinter sich.
Über Wochen habe ich mir immer welche mit auf die Zugfahrten genommen, um sie abzuwickeln. Ferse und Spitze waren mit Elastikfaden verstärkt, aber insgesamt schon sehr porös, das Garn ist hier oft gerissen. Ich habe daher Spitzen und Fersen rausgeschnitten und nur die wirklich noch brauchbaren Teile aufgedröselt.
Das Garn ist Baumwolle, dreifädig. 4 Paar waren hellgrau, 3 Paar dunkelblau, 2 Paar hellgrau.
Nun habe ich alles in allem ca. 450 g Baumwollgarn. Aber was mach ich jetzt damit? Die Farben sind ja nicht eben prickelnd. Trotzdem gibt es sooooo viele Möglichkeiten!
Man kann es einfädig oder dreifädig verarbeiten, pur oder als Beilaufgarn mit einem anderen. Mann kann damit Sticken, Stricken, Häkeln, Nadelbinden oder Weben. Es könnte was nützliches für den Haushalt werden - Wischtücher oder Mob - oder was zum Anziehen. Ich kann die Farben so lassen, es mit Pflanzen oder synthetisch färben, vor oder nach dem Verarbeiten oder mit Stoffmalfarbe nach dem Verarbeiten bemalen. Ich könnte...


Viele Ideen kreisen in meinem Kopf, aber eine Entscheidung konnte ich noch nicht treffen. Was würdet Ihr tun mit 450 g Baumwolle in diesen lebensbejahenden Farben?

Türstopper mit Maus

Nachdem ich im Blog der "Wollwerkerin" Susanne den wunderschönen Türstopper gesehen hatte, hat mich diese Idee nicht mehr losgelassen. Und da sie nichts dagegen hatte, dass ich die Idee auch benutze, habe ich mir einen großen Kiesel gesucht und ebenfalls einen Türstopper gearbeitet.
Damit er auch nach dem Umfilzen noch schön "kieselig" aussieht, habe ich Wolle vom rauwolligen Pommernschaf gewählt, die die passende grau melierte Farbe mitgebracht hat. Wie üblich bei mir, habe ich mit der rohen Wolle gearbeitet, nur gewaschen, aber nicht gekämmt oder kardiert. Lediglich mit den Fingern ein bisschen aufgelockert. Ich habe die Wolle um den Stein gewickelt und abwechselnd nass und mit der Nadel gefilzt. Nassfilzen ist wirklich nicht mein Ding. Ich mag es einfach nicht mit den Fingern im warmen Seifenwasser zu sein. Aber in der Mischung ging es.



Danach habe ich in der Flocke moosgrün gefärbte Walliser Schwarznasen-Wolle genommen und ein Moospolster auf den Stein gefilzt. Denn die Überlegung, was wohl auf dem Stein sitzen könnte, war schnell abgeschlossen. Eine Maus natürlich! Schließlich sind wir ja jetzt Mäuse-Eltern :-) Und damit sich die Maus farblich vom Stein abhebt, musste ein bisschen was Grünes dazwischen.
Für den Körper der Maus habe ich eine Flocke vom Pommernschaf rausgesucht, die relativ hell und einfarbig war. Schwanz und Ohren sind aus einer dunkleren Flocke vom Guteschaf aus Gotland entstanden. Und zu guter Letzt kamen dann noch die Augen dazu aus Wolle vom Steinschaf, die ich schon für den Schal für meinen Mann verwendet hatte. Alles schön mit der Nadel zusammengefilzt und nun steht der Mäusestein hinter unserer Eingangstüre.



Darüber hängt übrigens ein ulkiges Poster von Maurizio Cattelan, der mir unter allen zeitgenössischen Künstlern der liebste ist. Es zeigt einen Esel, der frontal hinter einer Eiche steht. Man sieht das Gesicht des Esels nicht, aber rechts und links vom Stamm kann man den Bauch und die Ohren des Esels sehen. Eingerahmt ist die Szene von leuchtenden Rapsfeldern und etwas Grün. Ein wunderschönes Bild, das mich immer wieder zum Schmunzeln bringt. Ich finde es passt gut mit dem Türstopper zusammen.

Allerlei Kleinigkeiten

Stellt Euch vor, unser Internet war nun für einige Zeit kaputt! Welch ungewohntes Gefühl... Und irgendwie auch entspannend. In einem unserer Hobbys gibt es derzeit Krach und Streit, aber wir hatten ein paar schöne, entspannte Tage und haben uns gar nicht weiter aufgeregt, weil wir die Sache auch nicht näher verfolgt haben. Wäre mit Internet bestimmt anders gewesen. Aber auch was Lustiges haben wir deswegen gemacht. Wir haben nämlich vor ein paar Wochen angefangen eine bestimmte Serie (ich werd sie nicht nennen, sonst haltet Ihr mich alle für bekloppt) online zu schauen. Die Serien sind ja nach der Ausstrahlung im TV für eine Woche kostenlos im Internet zu sehen. Da aber unser Internet zu Hause nicht ging, haben wir uns zweimal mit dem Laptop ins Auto auf den MacDonalds-Parkplatz gestellt, weil es da einen kostenlosen WLAN-Zugang gibt. So ein bisschen wie Autokino :-) Wir haben es uns aber verkniffen dort auch unsere Mails anzuschauen etc. Wir wollten uns nicht die Laune verderben und unter Stress setzen.

Gleich nach dem Einzug im Herbst habe ich auf dem Balkon einen Nistkasten aufgehängt. Ganz direkt am Haus neben dem Küchenfenster. Verschiedene Vögel haben ihn schon im Winter erkundet und jetzt sind die Blaumeisen fleißig beim Einziehen. Wie schön, ich hoffe es wird eine erfolgreiche Brut und wir können sie gut beobachten! Ich habe früher auch Meisen beringt, die Eier vermessen und die Küken täglich gewogen und kenne jedes Altersstadium genau. Es ist erstaunlich, wie gut die Altvögel damals die tägliche Kontrolle ihrer Brut über sich ergehen lassen haben. Naja, aber diese dürfen ungestört bleiben und werden keine Wissenschaftler-Meisen :-)

In den letzten Wochen habe ich hauptsächlich Kleinigkeiten erledigt, über die es sich nicht wirklich zu berichten lohnt, oder es sind Großprojekte, die noch lange dauern. Natürlich stand die Osterdeko ganz oben. Einerseits bei uns im Haus, andererseits bei meinen Eltern. Meine Mutter hat krankheitsbedingt nicht viel Gefühl in den Fingerspitzen und kann daher nichts Filigranes machen. Und mein Vater macht zwar auf absolut liebenswerte Art ganz viel in Haushalt und Garten, aber Deko ist halt doch eher Frauensache! Daher hab ich also auch bei meinen Eltern in diesem Jahr den Osterstrauß geschmückt.

Bei uns vor dem Haus grüßen diese zwei kleinen Schreihälse zwischen Ranunkeln und Primeln jeden der ins Haus geht.



Und für meine Mutter habe ich auch noch einen Birkenkranz gefertigt. Die Zweige haben schon etwas länger auf der Wiese gelegen und waren daher etwas ausgetrocknet, so dass man ein wenig vorsichtiger arbeiten musste. Im Prinzip ging es aber genauso gut wie bei dem ersten. Mein Basiskranz wurde inzwischen um hölzerne Schmetterlinge ergänzt. Auf dem Kranz für meine Mutter haben zunächst mal Wollfinken aus Bommeln mit Filzschwanz platz genommen, inzwischen sind oben drauf weitere Vögel gelandet.



Der Vesuvpullunder hat noch eine Kordel bekommen, damit ich ihn etwas mehr auf Taille bringen kann.
Der Kirschbaum im Garten steht in voller Blüte! Am Samstag haben mein Mann und ich uns mal einen gemütlichen Tag machen und bei dem tollen Frühlingswetter einfach mal im Garten sitzen und die Kirschblüte genießen können.
Ansonsten habe ich das alte Fahrrad meiner verstorbenen Oma bekommen, und bin heute sogar mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Es geht endlich dem Winterspeck zu Leibe und es wird auch dringend Zeit, dass ich mal wieder ein bisschen mehr in Form komme! Zur Zeit bin ich immer so furchtbar schnell außer Atem.

Achja, das wollte ich noch erzählen, auch wenn es noch kein Bild dazu gibt. Am Sonntag war ich bei der lieben Freundin, die mir die Grundbegriffe des Strickens vor Weihnachten beigebracht hat. Nachdem ich ja nun schon ganz erfolgreich einige Stricksachen gefertigt habe, hat sie mir nun Patent- und Halbpatent-Stricken beigebracht. Das war erstmal eine harte Nuss, weil sie ja den Faden rechts führt und ich links und es deshalb irgendwie überhaupt nicht passte. Aber irgendwann ist der Knoten geplatzt und es hat geklappt. Außerdem hat sie mir noch ein Buch über das Sockenstricken mit der Bumerang-Ferse mitgegeben. Mal schauen, ob ich mich irgendwann mal wieder an Socken mache und das ausprobiere.